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Bremen, 15.11.23 Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen (LAG FW) hat eine neue Leitung der Geschäftsstelle: Imke Sonnenberg (52) wird zum 15. November 2023 als neue Vorstandsreferentin die Interessen und Anliegen Bremer Wohlfahrtspflege koordinieren und vertreten. Die LAG ist die Dachorganisation der Wohlfahrtsverbände in Bremen und Bremerhaven, zu der die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Diakonie, der Paritätische und die Jüdische Gemeinde zählen.

 

Von der Streetworkerin zur Geschäftsführerin

Die neue Vorstandsreferentin Imke Sonnenberg verfügt über viel Erfahrung in der Sozialen Arbeit und im Bildungssektor. Nach ihrem Studium arbeitete die Diplom-Sozialpädagogin zunächst acht Jahre lang als Streetworkerin mit Jugendlichen. Von 2000 bis 2004 war sie Teil der Geschäftsführung beim Bremer Verein VAJA (Verein zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit). Durch ein Fernstudium im Bereich Management von Sozial- und Gesundheitseinrichtungen qualifizierte sich Imke Sonnenberg für die Leitung größerer Einrichtungen und war unter anderem zehn Jahre lang für die Alumni-Arbeit an der Jacobs University Bremen verantwortlich. 2015 wechselte sie zur be:at GmbH, einer Transfergesellschaft, die Unternehmen sowie Betriebsräte und Gewerkschaften bei Transformationsprozessen begleitet und Mitarbeitende beim beruflichen Neustart unterstützt. Seit 2021 war sie dort als Geschäftsführerin tätig.

 

„Ich freue mich, diese wichtige Aufgabe in Bremen zu übernehmen,“ sagt Imke Sonnenberg. „Mit über 30.000 Beschäftigten und rund 10.000 Ehrenamtlichen ist die Wohlfahrtspflege ein wichtiger Akteur für den sozialen Zusammenhalt in Bremen und Bremerhaven“, so die 52-Jährige. Sie werde sich dafür einsetzen, die Angebotsstruktur zukunftsfähig zu erhalten und in der Öffentlichkeit noch sichtbarer zu machen. Auch Martin Böckmann, Vorstandssprecher der LAG FW und Direktor der Caritas, freut sich auf die Zusammenarbeit mit der neuen Vorstandsreferentin: „Ich bin sicher, dass Frau Sonnenberg mit ihrer Erfahrung, ihrer Menschenkenntnis und ihrem Engagement die Interessen der Wohlfahrtspflege gut vertreten und durchsetzen wird.“

Aktionstag beschäftigt sich mit finanziellen Unsicherheiten bei der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer

„Der Aktionstag hat deutlich gemacht, wie wertvoll die Arbeit der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer ist“, sagte Sarah Ryglewski, Abgeordnete der SPD im Bundestag, zum Abschluss des Aktionstages mit dem Titel „Bitte zum Beratungs-Buffet“ der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAG FW) im Foyer des Theaters Bremen. Das Thema lautete dabei „Unsicherheiten bei der Finanzierung der Migrationsberatung für Erwachsene“ und dieses Titelthema spiegelt die ganze Problematik wider, der die LAG FW seit Jahren gegenübersteht: „Es ist in den ganzen Jahren nichts umgesetzt worden, was wir gefordert haben“, sagte dann auch Veranstalterin Lucyna Bogacki, Landeskoordinatorin für Migration für die LAG FW.

Die problematische Lage der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) wird deutlich durch die sichtbare Absenkung der Bundeszuschüsse: 2021 bezuschusste der Bund die MBE mit 71 Millionen Euro und diese Summe wurde 2022 dann durch Sondermittel sogar noch auf 79,2 Millionen Euro aufgestockt. Begründet wurde dieser Mittelanstieg auch durch den Beratungsbedarfs von Geflüchteten aus der Ukraine. Ab 2023 sollen die Mittel für die Integrationsmaßnahmen nun drastisch verringert werden – für die MBE würde dies bedeuten, dass ihr im Vergleich zu 2022 dann mehr als 25 Prozent weniger Mittel zur Verfügung stünden. Der neue Wert würde sich dann auf nur noch 57 Millionen Euro belaufen.

„In diesem Jahr wurden uns Mittel bewilligt, um zwei zusätzliche Stellen zu finanzieren“, erzählte Lucyna Bogacki zu Beginn des Aktionstages. Doch diese zusätzlichen Stellen sollen wieder gekürzt werden. Zudem gebe es für Asylverfahrensberatung noch gar keine Bundesmittel, hier finanziert das Land Bremen eine Stelle, allerdings für die Städte Bremen und Bremerhaven zusammen. „Das Bundeskabinett hat die Kürzung schon beschlossen“, sagte Lucyna Bogacki, „und unsere einzige Hoffnung ist, dass Sie nicht dafür stimmen.“

„Sie“, das waren Bremer Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Parteien auf Landes- und Bundesebene: Sarah Ryglewski sowie Arno Gottschalk von der SPD und Sigrid Grönert und Thomas Röwekamp von der CDU. Dabei waren aber auch Nadezhda Milanova, Migrations- und Integrationsbeauftragte im Land Bremen, Dorin Bischoff, Leiterin des Bremer Migrationsamts sowie Georg-Christoph Schlee, Leiter der Bremer Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Und auf die Frage Lucyna Bogackis, welche Chancen bestehen, dass die MBE nicht von der Kürzung betroffen wird, antwortete Sarah Ryglewski: „Ich bin optimistisch, die Mittelkürzung in Grenzen zu halten oder ganz abzuwenden. Die Ministerien haben ziemlich pauschal gekürzt und wir werden schauen, die Summen hin- und herzuschieben, damit es klappt.“ Denn Sarah Ryglewski sagte auch: „Wegen der Ukraine gibt es ja auch einen erhöhten Handlungsbedarf.“

Auch Arno Gottschalk sagte, dass sich die Regierung im Hinblick auf die Ukraine eine Kürzung nicht leisten könne: „Meine Botschaft ist aber nicht, dass ich verkünde, wir würden als Land Bremen die Mittel des Bundes übernehmen. Ich gehe davon aus, dass, wenn die Feinarbeit anfängt, die Dinge nach Wichtigkeit und Priorität neu bewertet werden.“ Thomas Röwekamp meinte, die Mittel seien aus der Koalition aus SPD, CDU und CSU zur Verfügung gestellt worden: „Ich sehe keinen Grund, diese Mittel abzuschmelzen.“ Er habe sich gewünscht, dass die Mittel in der ersten Haushaltslesung berücksichtigt worden wären: „Es ist eine Frage der Schwerpunktsetzung. Ich habe die Hoffnung, bis zur Gesetzesfassung die Mittel wieder aufzustocken.“

Sigrid Grönert sagte: „Wenn ich sehe, dass wir vom Ankunftsniveau das Niveau von 2015 überschritten haben, dann kann ich nicht verstehen, was auf Bundesebene passiert. Ich halte es für falsch, wenn so viele Stellen wegfallen würden. Ich bin dafür, dass die Mittel mindestens auf dem Niveau von 2021 bleiben.“ Es gehöre dazu, dass eine gute Integration gewährleistet sein müsse.

Regelrecht „offene Türen“ würden die Vertreterinnen und Vertreter der Parteien bei ihm einlaufen, sagte Georg-Christoph Schlee: „Wir sind dafür, dass die Arbeit der LAG ausgebaut wird“, meinte der Leiter der Bremer BAMF-Außenstelle. „Wir sind überrascht, wie stark gekürzt werden soll. Wenn man gute Strukturen über Jahre aufgebaut hat, müssen diese Strukturen auch erhalten werden.“

Nadezhda Milanova berichtete dem Publikum, dass das Land Bremen die Mittel im Bereich der Migrationsberatung aufstocken würde: „Das kann sich schon sehen lassen“, sagte sie, „die Migrationszahlen sind angestiegen, das Land bezahlt 4,9 Vollzeitstellen.“ Sie betonte aber auch die Wichtigkeit der Arbeit: „Die Begleitung, die die Kolleginnen und Kollegen in der Beratung täglich leisten, ist enorm. Wir wollen uns für die Fortführung der Finanzierung der Mittel einsetzen“, sagte die Migrations- und Integrationsbeauftragte im Land Bremen. Denn die Gruppe der Beratungsberechtigten werde größer: „Ich hoffe, dass Bund und Länder Lösungen finden und die wichtige Beratungsarbeit fortsetzen.“

Es seien unfassbar viele Menschen, die nach Bremen kämen, sagte Dorin Bischoff anschließend, „vor diesem Hintergrund zu sagen, dass die Mittel gekürzt werden, ist unverständlich. Wir brauchen Migrationsberatung, darauf können wir als Amt nicht verzichten.“

Abschließend richtete Lucyna Bogacki das Wort an die Gäste auf dem Podium: „Alle Wohlfahrtsverbände sind beunruhigt und bitten um Hilfe. Wir setzen auf Sie!“

Verbände fordern schnelle Verhandlungen über die Refinanzierung steigender Energie- und Lebensmittelkosten

Inflation, steigende Lebensmittelpreise und vor allem die explodierenden Energiekosten setzen die Pflegeeinrichtungen in Bremen unter Druck. Großer Preistreiber sind dabei weiterhin vor allem die Gaspreise. Darauf weisen die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen e.V. (LAG) und der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) hin.

„Damit stehen die Pflegeeinrichtungen plötzlich vor zusätzlichen Kosten, die niemand vorhersehen konnte. Das ist in manchen Fällen existenzgefährdend“, sagt der Bremer Landesvorsitzende des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) Sven Beyer. „Diese Sachkosten sind in langfristigen Verträgen mit den Kostenträgern vereinbart. Deshalb muss jetzt nachverhandelt werden.“

Es ist gesetzlich geregelt, dass die Refinanzierung der Sachkosten bei wesentlichen Veränderungen neu gestaltet werden muss. Entsprechende Verhandlungen mit den Kostenträgern, also Kranken- und Pflegekassen sowie Sozialhilfeträger, haben die Pflegedienste und -einrichtungen bereits aufgenommen. Dabei geht es aber erstmals nicht um reguläre Kostensteigerungen im einstelligen Prozentbereich, sondern um dringend notwendige deutliche Anpassungen, in einem einfachen, flexiblen und an die Sachlage angepassten Verfahren. Allein die allgemeine Preissteigerung beträgt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes derzeit 7,5 Prozent, zusätzlich haben sich Gaspreise im Schnitt verdreifacht und bei einzelnen Versorgern verzehnfacht.

„Wir begrüßen, dass der erste Blick bei diesen unerwarteten und immensen Kostensteigerungen auf die Privathaushalte gerichtet ist“, sagt Iris von Engeln, Geschäftsführerin der LAG. „Ergänzend muss die soziale Infrastruktur jetzt schnell, unkompliziert und in angemessener Höhe unterstützt werden, denn den Versorgungsauftrag für pflegebedürftige Menschen erfüllen die Leistungserbringer und Leistungsträger gemeinsam.“

LAG und bpa fordern die Kostenträger auf, in den Verhandlungen die tatsächlichen Steigerungen bei zentralen Sachkosten auch zu berücksichtigen. Nur mit auskömmlichen Refinanzierung sei die pflegerische Versorgung in der Hansestadt gesichert.

Freie Wohlfahrtspflege Bremen fordert bessere Rahmenbedingungen

Bremen, 17.8.2022 – Die Arbeit in einer Altenpflegeeinrichtung verlangt neben der professionellen pflegerischen Versorgung von den Pflegekräften Geduld und Kraft für den Umgang mit allen menschlichen Nöten, die ihnen in der Arbeit begegnen. Die wachsende Personalnot führt zu einer Arbeitsverdichtung, die als Dauerzustand nicht länger tragbar ist. Oft erklären sich erholungsbedürftige Pflegekräfte bereit, zusätzliche Dienste zu übernehmen, damit die Versorgung der pflegebedürftigen Menschen sichergestellt wird. Denn zusätzlich zu der bestehenden Personalnot ist in vielen Einrichtungen durch Krankheit oder Quarantänen die Personaldecke so dünn wie nie zuvor. Und die Arbeitsbedingungen haben sich durch die notwendigen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie weiter erschwert. Schutzmaßnahmen wie z.B. das Tragen von FFP2-Masken während des gesamten Dienstes sind aktuell notwendig. Die ohnehin anstrengende Arbeit wird noch belastender und regelmäßige Atempausen sind erforderlich. Pflegekräfte üben täglich den Spagat zwischen Nähe und Schutz der vulnerablen pflegebedürftigen Menschen. Neben den körperlichen Belastungen nehmen die psychischen Belastungen bei den Pflegekräften zu.

„Die Herausforderungen und Probleme der Altenhilfe haben sich während der Covid-19 Pandemie massiv verstärkt. Mitarbeitende und Träger sind nach über zweieinhalb Jahren Pandemie und der entsprechenden Pflegepolitik am Ende ihrer Kapazitäten  und Reserven angekommen: Sie können die pandemiebedingten zusätzlichen Aufgaben und den hohen Personalausfall nicht mehr kompensieren. Die Versorgungsqualität und der Sicherstellungsauftrag sind gefährdet“, mahnt Martina kleine Bornhorst, Caritasverband Bremen.

Die Kosten für die notwendigen Schutzmaßnahmen wie FFP2-Masken werden seit dem Auslaufen des Pflegeschutzschirmes nicht mehr zusätzlich finanziert. Besucher kommen ihrer Eigenverantwortung nach, indem sie kostenlose Tests vorweisen. Hierfür nehmen sie teils lange Wege zu Corona-Teststellen in Kauf. Eine Ausweitung des Angebots von kostenlosen Testmöglichkeiten in den Stadtteilen ist notwendig.

Die angespannte Lage wird durch die allgemeine Teuerung verschärft. Iris von Engeln, Geschäftsführerin der LAG, macht deutlich: „Einrichtungen und Dienste der Freien Wohlfahrtspflege müssen nicht nur die Personalnot bewältigen, sondern dazu die Qualität ihrer Angebote trotz anhaltender Pandemie und rasant steigender Preise halten. Die Kostenträger müssen Dienste und Einrichtungen finanziell stabil durch diese besondere Situation und darüber hinaus bringen. Davon profitieren die pflegebedürftigen Menschen, ihre Angehörigen und die gesamte Gesellschaft.“

Die Anbieter von Schulbegleitung unter dem Dach der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Bremen (LAG) suchen seit mehreren Jahren nach gemeinsamen Wegen mit Schulen und Behörden, um die Inklusion der Kinder mit Assistenz- und Begleitungsbedarf im Schulsystem zu verbessern. Eine nähere Betrachtung der bestehenden Poollösungen und die Öffnung für Kinder mit einer drohenden seelischen Beeinträchtigung in einem systemischen Ansatz sind wichtige Schritte in die richtige Richtung, um Schulbegleitungskräfte in das Schulleben besser einzubinden. Eine Vielzahl von wesentlichen Einzelfragen wird im Laufe der neuen Pilotphase systemischer Ansatz in einem Bremer Quartier und einer Evaluation des Modells Poollösungen zu klären sein. Die LAG unterstützt die Öffnung von Schulen für mehr Inklusion für Kinder in einem transparenten Kommunikationsprozess mit allen Beteiligten.

Teilhabe an Bildung ist ein individueller Rechtsanspruch eines Kindes mit entsprechenden Bedarfen. Die große Herausforderung von Inklusion bleibt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Förderung des einzelnen Kindes und Unterstützung seines Umfeldes. Der neue systemische Weg kann erfolgreich werden, wenn Schulen die fachlichen Kompetenzen und langjährigen Erfahrungen der freien Träger, die die Schulbegleitungskräfte anstellen, fortbilden und begleiten, mit ihren eigenen Kompetenzen verzahnen. Die individuellen Bedarfe der Kinder müssen maßgebend bleiben.

Kritisch sehen wir die Idee, Schule selbst perspektivisch mit der Aufgabe der Schulbegleitung zu betrauen. Denn Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams ist die Grundlage, auf der alle Kinder eine Chance auf gutes Aufwachsen, Lernen und Entwicklung in ihrem Schulleben haben. Teilhabe an Bildung für Kinder braucht die Experten für Teilhabe der freien Träger genauso wie die Experten für Bildung der Schulen. Im System Schule muss auch zukünftig die vereinte Expertise für alle Kinder wirksam werden.

Aktuell erreicht eine steigende Zahl geflüchteter Menschen aus der Ukraine das Land Bremen. Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege setzen sich mit ihren Angeboten des Katastrophenschutzes, mit Erstaufnahmeeinrichtungen und Unterkünften für Geflüchtete, mit Beratungs- und Begleitdiensten sowie mit der Landeskoordination Migration für die Hilfe für Schutzsuchende ein.

Angebote und Hinweise finden Sie auf den Webseiten der Wohlfahrtsverbände:

www.awo-bremen.de

www.caritas-bremen.de

www.paritaet-bremen.de/ukraine

www.drk-bremen.de/ukraine-nothilfe

www.drk-bremerhaven.de

www.diakonie-bremen.de/magazin/ukraine

Die Landeskoordination Migration der Freien Wohlfahrtspflege in Bremen koordiniert im Rahmen von trägerübergreifenden Netzwerken das freiwillige Engagement von Bremerinnen und Bremern sowie Wohn- und andere Angebote. Unter

www.gemeinsam-in-bremen.de

finden Menschen, die Unterstützung suchen, genauso Informationen wie Menschen, die ihre Hilfen anbieten möchten.

Das trägerübergreifende AWO-Projekt „Zukunft Wohnen“ bietet eine Plattform zur Gewinnung und Vermittlung von Wohnraum an Geflüchtete:

www.zukunftwohnen-bremen.de

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen (LAG) weist darauf hin, dass finanzielle Unterstützung der Hilfsorganisationen der effektivste Weg ist, Hilfe für die Menschen im Krisengebiet und auf der Flucht zu ermöglichen.

Positionspapier

Transparenz, Zusammenarbeit und pädagogische Intervention anstatt Androhung/ Anwendung von Zwangsmitteln bei der Verteilung von unbegleiteten minderjährigen Ausländer*innen

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen e.V. (LAG) vertritt die fachlich begründete Haltung, dass das Recht auf Gewaltfreiheit zu achten ist. Die Androhung oder Anwendung von Zwangsmaßnahmen darf nur auf der Grundlage von Eigen- oder Fremdgefährdung in Betracht gezogen werden. Gestützt auf die Charta der Grundrechte der Europäischen Union und die UN-Kinderrechtskonvention sowie dem Gutachten des Deutschen Vereins folgend lehnt die LAG daher die Anwendung von Zwangsmitteln bei der Verteilung von unbegleiteten minderjährigen Ausländerinnen und Ausländern (umA) ab.

Menschenrechte und Kinderrechte sind umzusetzen. Die LAG weist auf Art 25 Bremische Landesverfassung hin. Gesetze können geeignet sein, Kinderrechte nicht ausreichend zu beachten. Die bundesweite Umverteilung der Jugendlichen wurde in einer Situation der Überlastung nach dem Königsteiner Schlüssel beschlossen (§42c SGB VIII). Die aktuelle Zahl der umA, die Deutschland und Bremen erreichen, überfordert die Jugendhilfe vor Ort nicht. Hiermit wird daher angeregt, auf Bundesebene die Lage neu zu bewerten und ggf. den Diskurs über  eine „Umverteilung“ der Finanzierung der Plätze anstelle eines Ortswechsels der jungen Menschen wieder aufzugreifen.

Gewaltausübung und deren Androhung lehnt die LAG ausdrücklich ab. Dabei wird das staatliche Gewaltmonopol nicht in Frage gestellt. Anstelle der Androhung einer Zwangsmaßnahme fordert die LAG jedoch geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, um pädagogisch auf die Bedürfnisse des jungen Menschen in der persönlichen Krise einzugehen. Hier sieht die LAG Parallelen zur intensivpädagogischen Begleitung anstelle von geschlossener Unterbringung von jungen Menschen.

Die entsprechende Verwaltungsanweisung darf in der Praxis daher heute keine Anwendung mehr finden und ist folglich aus Sicht der LAG außer Kraft zu setzen.

Die LAG bringt hier ihre Sichtweise auf eine rechtlich, ethisch und pädagogisch komplizierte Situation zum Ausdruck. Die Mitglieder der LAG beteiligen sich gern an einem Diskurs über geeignete Rahmenbedingungen für den Umgang mit umA, denen ein Ortswechsel nahegelegt wird. Ziel ist eine pädagogische Begleitung/ Intervention anstelle einer Androhung von Zwangsmitteln gegenüber umA.

Rahmenbedingungen für eine pädagogische Begleitung eines (möglichen) Ortswechsels

von umA:

 

Zum Hintergrund der Verwaltungsanweisung: In den Jahren 2015 und 2016 erreichten eine um ein vielfaches gestiegene Zahl geflüchteter Menschen Deutschland, auch zahlreiche umA. Die Versorgung und Betreuung der jungen Menschen stellte die Jugendhilfeeinrichtungen nicht nur in Bremen vor nicht zu bewältigende Herausforderungen. Die bundesweite Umverteilung der jungen Geflüchteten nach dem Königsteiner Schlüssel wurde nach intensiver Debatte entschieden und führte zumindest zu einer besseren Betreuungssituation in Bremen. Dennoch darf eine sog. Verbringung eines*r jungen Menschen an einen anderen Ort nur erfolgen, wenn Gefährdungen des Kindeswohls dem nicht entgegenstehen und die Rahmenbedingungen geeignet sind, das Kindeswohl zu achten.

Wie will ich im Alter leben

Im Festsaal der Bremischen Bürgerschaft begrüßte Martin Böckmann, Vorstandsvorsitzender der LAG, am 6. September die gezählten Gäste aus Politik, Verwaltung, Freier Wohlfahrt und Partnern. (mehr …)

Pflegereformen, Bundesteilhabegesetz oder Kinder- und Jugendstärkungsgesetz sind sozialpolitische Wegweiser. Reformen wie diese entwickelt die Politik auf Bundesebene. Sie werden in den Ländern und Kommunen ausgeführt und umgesetzt. Angestoßen werden sozialpolitische Veränderungsprozesse von verschiedenen Stellen oder Ebenen. Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege pflegen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene den Austausch mit Politik und Verwaltung, um die Expertise aus der konkreten sozialen Arbeit in die sozialpolitischen Entwicklungen einzubringen.

Daher lässt die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen Praktiker*innen aus verschiedenen Feldern sozialer Arbeit zu Wort kommen. Denn sie kennen die Stolperfallen und Barrieren, die individuelle Lebenswege behindern, das Zusammenleben in Vielfalt oder die Wahl eines sozialen Berufes erschweren. Sie stellen Fragen aus den Themenfeldern Pflege und Altenhilfe, Zuwanderung, Barrierefreiheit, Kinder und Jugendliche, Fachkräftegewinnung, Demokratie und Diversität. Bremer Bundestagskandidat*innen antworten.

Lesen Sie nach unter

https://www.sozialag.de/pressemitteilungen/lag-fragt-zur-bundestagswahl

Was sagen Bremer Bundestagskandidat*innen zu sozialen Themen unserer Zeit?

Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege sind im Land Bremen in der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAG) zusammengeschlossen. Anlässlich der anstehenden Wahlen stellen sechs Praktiker*innen aus verschiedenen Feldern der sozialen Arbeit Fragen an Bremer Politiker*innen, die nach der Wahl für das Land Bremen in den Bundestag einziehen könnten. Die LAG gibt den Bremer*innen hier die Möglichkeit, die Fragen und Antworten zu lesen und sich so über soziale Themen unserer Zeit zu informieren.

 

Unsere Mitarbeiter*innen fragen:

Alexander Wolpers (AWO Bremen), Jürgen Füchtenbusch (Caritasverband Bremen), Stefanie Lienemann (Der Paritätische Bremen), Frauke Ehlers (DRK Bremen), Ernesto Che Wiafe (Diakonie Bremen) und Leonhard Klepikow (Jüdische Gemeinde) fragen Bremer Bundestagskandidat*innen (v.l.n.r.).

 

Politiker*innen antworten:

Auf die Fragen von Praktiker*innen aus verschiedenen Feldern der sozialen Arbeit antworten Politiker*innen, die nach der Wahl für das Land Bremen in den Bundestag einziehen könnten. Die Fragen betreffen die Themenfelder Pflege und Altenhilfe, Kinder und Jugendliche, Barrierefreiheit, Zuwanderung, Fachkräftegewinnung sowie Demokratie und Diversität.

 

Für die SPD antworten Sarah Ryglewski und Uwe Schmidt. Für die CDU antworten Thomas Röwekamp und Wiebke Winter. Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN antworten Kirsten Kappert-Gonther und Michael Labetzke. Für DIE LINKE antworten Doris Achelwilm und Cindi Tuncel. Für die FDP antworten Volker Redder und Gökhan Akkamis (v.l.n.r.).

 

Themenfeld Zuwanderung

In den Abschlussprüfungen der Auszubildenden in Deutschland wird nicht nur Fachwissen überprüft. Durch sprachlich kompliziert formulierte Prüfungsaufgaben findet zudem auch eine nicht vorgesehene Deutschprüfung statt. Was werden Sie unternehmen, um in der kommenden Legislaturperiode die Bildungschancen von insbesondere bildungsbenachteiligten Jugendlichen zu verbessern? Würden Sie sich z.B. dafür einsetzten, dass Prüfungsaufgaben in klarer und einfacher Sprache formuliert werden? (Alexander Wolpers, AWO Bremen)

 


 

Themenfeld Pflege und Altenhilfe

Seit über 40 Jahren bin ich in der Pflege tätig. Mein ganzes Berufsleben begleitet mich der Pflegenotstand mit all seinen Schwierigkeiten. Es war schon vor der Pandemie klar, dass Pflege „systemrelevant“ ist und dringender Reformen bedarf. Wir brauchen adäquate Löhne, eine verlässliche Personalbemessung und mehr Gemeinwohlorientierung anstelle von Gewinnausschüttungen an Anteilseigner privat-gewerblicher Pflegeeinrichtungen. Ein „Weiter so“ kann keine Lösung sein. Welche nächsten Schritte zu Verbesserungen in der Pflege streben Sie an und wann und wie wollen Sie diese umsetzen? (Jürgen Füchtenbusch, Caritasverband Bremen)


 

Themenfeld Barrierefreiheit

Die UN-Behindertenrechtskonvention wurde vor über 10 Jahren unterschrieben. Sie fordert Barrierefreiheit in allen Bereichen für Menschen mit Beeinträchtigungen. Bislang wurde sie nur unzureichend umgesetzt. Welche Themenfelder der UN-Behindertenrechtskonvention sind Ihnen besonders wichtig und was wollen Sie konkret tun, um Barrieren abzubauen? (Stefanie Lienemann, Der Paritätische Bremen)


 

Themenfeld Fachkräftegewinnung

Das Bundesteilhabegesetz sieht z.B. vor, dass alle beteiligten Fachkräfte gemeinsam mit einem Kind und seinen Eltern die individuellen Förderziele vereinbaren. Weil aber auf wenigen Fachkräften ein zu hoher Arbeitsdruck lastet, Strukturen der multiprofessionellen Zusammenarbeit fehlen oder nicht genutzt werden, findet eine gemeinsame Zielvereinbarung oft nicht statt. Wie wollen Sie mehr Fachkräfte für die Arbeit mit Kindern mit und ohne Förderbedarf gewinnen? (Frauke Ehlers, DRK Bremen)


 

Themenfeld Kinder und Jugendliche

Wie stellen Sie sicher, dass die Träger der Kinder- und Jugendhilfe die finanziellen Ressourcen bekommen, um auf die Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche zu reagieren? (Ernesto Che Wiafe, Diakonie Bremen)

 


 

Themenfeld Demokratie und Diversität

Inwieweit möchten Sie gerne den interkulturellen Dialog zur Aufrechterhaltung der Diversität und Demokratie unseres Landes fördern? (Leonhard Klepikow, Jüdische Gemeinde)

Die LAG bedankt sich bei allen Beteiligten!

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