Allgemein

Freie Wohlfahrtspflege Bremen fordert bessere Rahmenbedingungen

Bremen, 17.8.2022 – Die Arbeit in einer Altenpflegeeinrichtung verlangt neben der professionellen pflegerischen Versorgung von den Pflegekräften Geduld und Kraft für den Umgang mit allen menschlichen Nöten, die ihnen in der Arbeit begegnen. Die wachsende Personalnot führt zu einer Arbeitsverdichtung, die als Dauerzustand nicht länger tragbar ist. Oft erklären sich erholungsbedürftige Pflegekräfte bereit, zusätzliche Dienste zu übernehmen, damit die Versorgung der pflegebedürftigen Menschen sichergestellt wird. Denn zusätzlich zu der bestehenden Personalnot ist in vielen Einrichtungen durch Krankheit oder Quarantänen die Personaldecke so dünn wie nie zuvor. Und die Arbeitsbedingungen haben sich durch die notwendigen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie weiter erschwert. Schutzmaßnahmen wie z.B. das Tragen von FFP2-Masken während des gesamten Dienstes sind aktuell notwendig. Die ohnehin anstrengende Arbeit wird noch belastender und regelmäßige Atempausen sind erforderlich. Pflegekräfte üben täglich den Spagat zwischen Nähe und Schutz der vulnerablen pflegebedürftigen Menschen. Neben den körperlichen Belastungen nehmen die psychischen Belastungen bei den Pflegekräften zu.

„Die Herausforderungen und Probleme der Altenhilfe haben sich während der Covid-19 Pandemie massiv verstärkt. Mitarbeitende und Träger sind nach über zweieinhalb Jahren Pandemie und der entsprechenden Pflegepolitik am Ende ihrer Kapazitäten  und Reserven angekommen: Sie können die pandemiebedingten zusätzlichen Aufgaben und den hohen Personalausfall nicht mehr kompensieren. Die Versorgungsqualität und der Sicherstellungsauftrag sind gefährdet“, mahnt Martina kleine Bornhorst, Caritasverband Bremen.

Die Kosten für die notwendigen Schutzmaßnahmen wie FFP2-Masken werden seit dem Auslaufen des Pflegeschutzschirmes nicht mehr zusätzlich finanziert. Besucher kommen ihrer Eigenverantwortung nach, indem sie kostenlose Tests vorweisen. Hierfür nehmen sie teils lange Wege zu Corona-Teststellen in Kauf. Eine Ausweitung des Angebots von kostenlosen Testmöglichkeiten in den Stadtteilen ist notwendig.

Die angespannte Lage wird durch die allgemeine Teuerung verschärft. Iris von Engeln, Geschäftsführerin der LAG, macht deutlich: „Einrichtungen und Dienste der Freien Wohlfahrtspflege müssen nicht nur die Personalnot bewältigen, sondern dazu die Qualität ihrer Angebote trotz anhaltender Pandemie und rasant steigender Preise halten. Die Kostenträger müssen Dienste und Einrichtungen finanziell stabil durch diese besondere Situation und darüber hinaus bringen. Davon profitieren die pflegebedürftigen Menschen, ihre Angehörigen und die gesamte Gesellschaft.“

Die Anbieter von Schulbegleitung unter dem Dach der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Bremen (LAG) suchen seit mehreren Jahren nach gemeinsamen Wegen mit Schulen und Behörden, um die Inklusion der Kinder mit Assistenz- und Begleitungsbedarf im Schulsystem zu verbessern. Eine nähere Betrachtung der bestehenden Poollösungen und die Öffnung für Kinder mit einer drohenden seelischen Beeinträchtigung in einem systemischen Ansatz sind wichtige Schritte in die richtige Richtung, um Schulbegleitungskräfte in das Schulleben besser einzubinden. Eine Vielzahl von wesentlichen Einzelfragen wird im Laufe der neuen Pilotphase systemischer Ansatz in einem Bremer Quartier und einer Evaluation des Modells Poollösungen zu klären sein. Die LAG unterstützt die Öffnung von Schulen für mehr Inklusion für Kinder in einem transparenten Kommunikationsprozess mit allen Beteiligten.

Teilhabe an Bildung ist ein individueller Rechtsanspruch eines Kindes mit entsprechenden Bedarfen. Die große Herausforderung von Inklusion bleibt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Förderung des einzelnen Kindes und Unterstützung seines Umfeldes. Der neue systemische Weg kann erfolgreich werden, wenn Schulen die fachlichen Kompetenzen und langjährigen Erfahrungen der freien Träger, die die Schulbegleitungskräfte anstellen, fortbilden und begleiten, mit ihren eigenen Kompetenzen verzahnen. Die individuellen Bedarfe der Kinder müssen maßgebend bleiben.

Kritisch sehen wir die Idee, Schule selbst perspektivisch mit der Aufgabe der Schulbegleitung zu betrauen. Denn Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams ist die Grundlage, auf der alle Kinder eine Chance auf gutes Aufwachsen, Lernen und Entwicklung in ihrem Schulleben haben. Teilhabe an Bildung für Kinder braucht die Experten für Teilhabe der freien Träger genauso wie die Experten für Bildung der Schulen. Im System Schule muss auch zukünftig die vereinte Expertise für alle Kinder wirksam werden.

Aktuell erreicht eine steigende Zahl geflüchteter Menschen aus der Ukraine das Land Bremen. Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege setzen sich mit ihren Angeboten des Katastrophenschutzes, mit Erstaufnahmeeinrichtungen und Unterkünften für Geflüchtete, mit Beratungs- und Begleitdiensten sowie mit der Landeskoordination Migration für die Hilfe für Schutzsuchende ein.

Angebote und Hinweise finden Sie auf den Webseiten der Wohlfahrtsverbände:

www.awo-bremen.de

www.caritas-bremen.de

www.paritaet-bremen.de/ukraine

www.drk-bremen.de/ukraine-nothilfe

www.drk-bremerhaven.de

www.diakonie-bremen.de/magazin/ukraine

Die Landeskoordination Migration der Freien Wohlfahrtspflege in Bremen koordiniert im Rahmen von trägerübergreifenden Netzwerken das freiwillige Engagement von Bremerinnen und Bremern sowie Wohn- und andere Angebote. Unter

www.gemeinsam-in-bremen.de

finden Menschen, die Unterstützung suchen, genauso Informationen wie Menschen, die ihre Hilfen anbieten möchten.

Das trägerübergreifende AWO-Projekt „Zukunft Wohnen“ bietet eine Plattform zur Gewinnung und Vermittlung von Wohnraum an Geflüchtete:

www.zukunftwohnen-bremen.de

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen (LAG) weist darauf hin, dass finanzielle Unterstützung der Hilfsorganisationen der effektivste Weg ist, Hilfe für die Menschen im Krisengebiet und auf der Flucht zu ermöglichen.

Positionspapier

Transparenz, Zusammenarbeit und pädagogische Intervention anstatt Androhung/ Anwendung von Zwangsmitteln bei der Verteilung von unbegleiteten minderjährigen Ausländer*innen

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen e.V. (LAG) vertritt die fachlich begründete Haltung, dass das Recht auf Gewaltfreiheit zu achten ist. Die Androhung oder Anwendung von Zwangsmaßnahmen darf nur auf der Grundlage von Eigen- oder Fremdgefährdung in Betracht gezogen werden. Gestützt auf die Charta der Grundrechte der Europäischen Union und die UN-Kinderrechtskonvention sowie dem Gutachten des Deutschen Vereins folgend lehnt die LAG daher die Anwendung von Zwangsmitteln bei der Verteilung von unbegleiteten minderjährigen Ausländerinnen und Ausländern (umA) ab.

Menschenrechte und Kinderrechte sind umzusetzen. Die LAG weist auf Art 25 Bremische Landesverfassung hin. Gesetze können geeignet sein, Kinderrechte nicht ausreichend zu beachten. Die bundesweite Umverteilung der Jugendlichen wurde in einer Situation der Überlastung nach dem Königsteiner Schlüssel beschlossen (§42c SGB VIII). Die aktuelle Zahl der umA, die Deutschland und Bremen erreichen, überfordert die Jugendhilfe vor Ort nicht. Hiermit wird daher angeregt, auf Bundesebene die Lage neu zu bewerten und ggf. den Diskurs über  eine „Umverteilung“ der Finanzierung der Plätze anstelle eines Ortswechsels der jungen Menschen wieder aufzugreifen.

Gewaltausübung und deren Androhung lehnt die LAG ausdrücklich ab. Dabei wird das staatliche Gewaltmonopol nicht in Frage gestellt. Anstelle der Androhung einer Zwangsmaßnahme fordert die LAG jedoch geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, um pädagogisch auf die Bedürfnisse des jungen Menschen in der persönlichen Krise einzugehen. Hier sieht die LAG Parallelen zur intensivpädagogischen Begleitung anstelle von geschlossener Unterbringung von jungen Menschen.

Die entsprechende Verwaltungsanweisung darf in der Praxis daher heute keine Anwendung mehr finden und ist folglich aus Sicht der LAG außer Kraft zu setzen.

Die LAG bringt hier ihre Sichtweise auf eine rechtlich, ethisch und pädagogisch komplizierte Situation zum Ausdruck. Die Mitglieder der LAG beteiligen sich gern an einem Diskurs über geeignete Rahmenbedingungen für den Umgang mit umA, denen ein Ortswechsel nahegelegt wird. Ziel ist eine pädagogische Begleitung/ Intervention anstelle einer Androhung von Zwangsmitteln gegenüber umA.

Rahmenbedingungen für eine pädagogische Begleitung eines (möglichen) Ortswechsels

von umA:

 

Zum Hintergrund der Verwaltungsanweisung: In den Jahren 2015 und 2016 erreichten eine um ein vielfaches gestiegene Zahl geflüchteter Menschen Deutschland, auch zahlreiche umA. Die Versorgung und Betreuung der jungen Menschen stellte die Jugendhilfeeinrichtungen nicht nur in Bremen vor nicht zu bewältigende Herausforderungen. Die bundesweite Umverteilung der jungen Geflüchteten nach dem Königsteiner Schlüssel wurde nach intensiver Debatte entschieden und führte zumindest zu einer besseren Betreuungssituation in Bremen. Dennoch darf eine sog. Verbringung eines*r jungen Menschen an einen anderen Ort nur erfolgen, wenn Gefährdungen des Kindeswohls dem nicht entgegenstehen und die Rahmenbedingungen geeignet sind, das Kindeswohl zu achten.

Wie will ich im Alter leben

Im Festsaal der Bremischen Bürgerschaft begrüßte Martin Böckmann, Vorstandsvorsitzender der LAG, am 6. September die gezählten Gäste aus Politik, Verwaltung, Freier Wohlfahrt und Partnern. (mehr …)

Pflegereformen, Bundesteilhabegesetz oder Kinder- und Jugendstärkungsgesetz sind sozialpolitische Wegweiser. Reformen wie diese entwickelt die Politik auf Bundesebene. Sie werden in den Ländern und Kommunen ausgeführt und umgesetzt. Angestoßen werden sozialpolitische Veränderungsprozesse von verschiedenen Stellen oder Ebenen. Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege pflegen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene den Austausch mit Politik und Verwaltung, um die Expertise aus der konkreten sozialen Arbeit in die sozialpolitischen Entwicklungen einzubringen.

Daher lässt die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen Praktiker*innen aus verschiedenen Feldern sozialer Arbeit zu Wort kommen. Denn sie kennen die Stolperfallen und Barrieren, die individuelle Lebenswege behindern, das Zusammenleben in Vielfalt oder die Wahl eines sozialen Berufes erschweren. Sie stellen Fragen aus den Themenfeldern Pflege und Altenhilfe, Zuwanderung, Barrierefreiheit, Kinder und Jugendliche, Fachkräftegewinnung, Demokratie und Diversität. Bremer Bundestagskandidat*innen antworten.

Lesen Sie nach unter

https://www.sozialag.de/pressemitteilungen/lag-fragt-zur-bundestagswahl

Was sagen Bremer Bundestagskandidat*innen zu sozialen Themen unserer Zeit?

Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege sind im Land Bremen in der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAG) zusammengeschlossen. Anlässlich der anstehenden Wahlen stellen sechs Praktiker*innen aus verschiedenen Feldern der sozialen Arbeit Fragen an Bremer Politiker*innen, die nach der Wahl für das Land Bremen in den Bundestag einziehen könnten. Die LAG gibt den Bremer*innen hier die Möglichkeit, die Fragen und Antworten zu lesen und sich so über soziale Themen unserer Zeit zu informieren.

 

Unsere Mitarbeiter*innen fragen:

Alexander Wolpers (AWO Bremen), Jürgen Füchtenbusch (Caritasverband Bremen), Stefanie Lienemann (Der Paritätische Bremen), Frauke Ehlers (DRK Bremen), Ernesto Che Wiafe (Diakonie Bremen) und Leonhard Klepikow (Jüdische Gemeinde) fragen Bremer Bundestagskandidat*innen (v.l.n.r.).

 

Politiker*innen antworten:

Auf die Fragen von Praktiker*innen aus verschiedenen Feldern der sozialen Arbeit antworten Politiker*innen, die nach der Wahl für das Land Bremen in den Bundestag einziehen könnten. Die Fragen betreffen die Themenfelder Pflege und Altenhilfe, Kinder und Jugendliche, Barrierefreiheit, Zuwanderung, Fachkräftegewinnung sowie Demokratie und Diversität.

 

Für die SPD antworten Sarah Ryglewski und Uwe Schmidt. Für die CDU antworten Thomas Röwekamp und Wiebke Winter. Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN antworten Kirsten Kappert-Gonther und Michael Labetzke. Für DIE LINKE antworten Doris Achelwilm und Cindi Tuncel. Für die FDP antworten Volker Redder und Gökhan Akkamis (v.l.n.r.).

 

Themenfeld Zuwanderung

In den Abschlussprüfungen der Auszubildenden in Deutschland wird nicht nur Fachwissen überprüft. Durch sprachlich kompliziert formulierte Prüfungsaufgaben findet zudem auch eine nicht vorgesehene Deutschprüfung statt. Was werden Sie unternehmen, um in der kommenden Legislaturperiode die Bildungschancen von insbesondere bildungsbenachteiligten Jugendlichen zu verbessern? Würden Sie sich z.B. dafür einsetzten, dass Prüfungsaufgaben in klarer und einfacher Sprache formuliert werden? (Alexander Wolpers, AWO Bremen)

 


 

Themenfeld Pflege und Altenhilfe

Seit über 40 Jahren bin ich in der Pflege tätig. Mein ganzes Berufsleben begleitet mich der Pflegenotstand mit all seinen Schwierigkeiten. Es war schon vor der Pandemie klar, dass Pflege „systemrelevant“ ist und dringender Reformen bedarf. Wir brauchen adäquate Löhne, eine verlässliche Personalbemessung und mehr Gemeinwohlorientierung anstelle von Gewinnausschüttungen an Anteilseigner privat-gewerblicher Pflegeeinrichtungen. Ein „Weiter so“ kann keine Lösung sein. Welche nächsten Schritte zu Verbesserungen in der Pflege streben Sie an und wann und wie wollen Sie diese umsetzen? (Jürgen Füchtenbusch, Caritasverband Bremen)


 

Themenfeld Barrierefreiheit

Die UN-Behindertenrechtskonvention wurde vor über 10 Jahren unterschrieben. Sie fordert Barrierefreiheit in allen Bereichen für Menschen mit Beeinträchtigungen. Bislang wurde sie nur unzureichend umgesetzt. Welche Themenfelder der UN-Behindertenrechtskonvention sind Ihnen besonders wichtig und was wollen Sie konkret tun, um Barrieren abzubauen? (Stefanie Lienemann, Der Paritätische Bremen)


 

Themenfeld Fachkräftegewinnung

Das Bundesteilhabegesetz sieht z.B. vor, dass alle beteiligten Fachkräfte gemeinsam mit einem Kind und seinen Eltern die individuellen Förderziele vereinbaren. Weil aber auf wenigen Fachkräften ein zu hoher Arbeitsdruck lastet, Strukturen der multiprofessionellen Zusammenarbeit fehlen oder nicht genutzt werden, findet eine gemeinsame Zielvereinbarung oft nicht statt. Wie wollen Sie mehr Fachkräfte für die Arbeit mit Kindern mit und ohne Förderbedarf gewinnen? (Frauke Ehlers, DRK Bremen)


 

Themenfeld Kinder und Jugendliche

Wie stellen Sie sicher, dass die Träger der Kinder- und Jugendhilfe die finanziellen Ressourcen bekommen, um auf die Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche zu reagieren? (Ernesto Che Wiafe, Diakonie Bremen)

 


 

Themenfeld Demokratie und Diversität

Inwieweit möchten Sie gerne den interkulturellen Dialog zur Aufrechterhaltung der Diversität und Demokratie unseres Landes fördern? (Leonhard Klepikow, Jüdische Gemeinde)

Die LAG bedankt sich bei allen Beteiligten!

Arnold Knigge scheidet als Vorstandssprecher aus seinem Amt

Nach 10 Jahren ehrenamtlicher Vorstandsarbeit verabschiedet die LAG FW ihren verbandsunabhängigen Vorstandssprecher Dr. Arnold Knigge mit großem Dank aus der Verantwortung. In der Folge stellt sich die LAG FW neu auf. Die Vertreter*innen der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege wählten Martin Böckmann, Caritasverband Bremen, zum Vorstandsvorsitzenden. Stellvertretende Vorsitzende sind Pastor Manfred Meyer, Diakonisches Werk Bremen, und Bernd Blüm, Deutsches Rotes Kreuz Bremen.

 

„Wir danken Herrn Dr. Knigge für ein ganzes Jahrzehnt engagierte, zuverlässige und öffentlich wirksame nachhaltige politische Lobbyarbeit in allen Belangen der Leistungserbringer in der Wohlfahrtspflege. Mit Knigge eng verbunden ist auch die Gründung der Tarifgemeinschaft Pflege in Bremen. Bundesweit wurde im Land Bremen erstmalig ein Tarifvertrag für Anbieter der Pflegebranche zwischen Gewerkschaft und diesem Arbeitgeberverband abgeschlossen. Die allgemeinverbindliche Anerkennung wurde bislang leider versagt, aber dieses auch von Knigge initiierte Ziel wird weiter verfolgt. Der Abschied von Herrn Dr. Knigge ist eine Zäsur für die LAG“, konstatiert Martin Böckmann.

 

„Der Auftrag der LAG FW liegt in der Mitgestaltung einer sozialen Infrastruktur, die die Menschen im Land Bremen benötigen“, erläutert Iris von Engeln, Geschäftsführerin der LAG. Dieser Auftrag wird in neuer Zusammenstellung an der Spitze weiter verfolgt. Besonders beschäftigen wird die LAG die Fachkräftegewinnung in den sozialen Berufen und in der Pflege. Es müssen mehr Menschen für die Arbeit in Kitas genauso wie in Einrichtungen und Angeboten für junge und alte Menschen, Menschen mit Beeinträchtigungen und Menschen mit ganz unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen gewonnen werden. Das bedeutet vor allem Eintreten für gute Rahmenbedingungen in sozialen Berufen. Neben der Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss auch das Gehalt stimmen. „Am Engagement und an der Freude an einer Arbeit mit Menschen mangelt es in der Freien Wohlfahrtspflege ganz bestimmt nicht“, versichert Pastor Manfred Meyer.

 

Gute Pflege und andere verlässliche hochwertige Versorgungsstrukturen für Menschen im Alter bleiben auch weiter ein wichtiges Thema der LAG FW. Die LAG wird sich für eine bunte Kita-Landschaft mit hohen Qualitätsstandards einsetzen. Die soziale Infrastruktur für Alleinstehende, Kinder, Jugendliche und Familien wird nach den vielen Monaten pandemiebedingter Einschränkungen ebenfalls in den Fokus rücken. „Wir werden uns weiterhin einmischen, um die soziale Verantwortung in der Gesellschaft zu pflegen und zu stärken“, verspricht der Vorstand der LAG.

„Die Brebau braucht Nachhilfe bei der sozialen Integration“

Gegen die städtische Wohnungsbaugesellschaft Brebau sind ungeheure Vorwürfe diskriminierenden Vorgehens in der Kundenauswahl bekannt geworden. Der Freien Wohlfahrtspflege sind die Schwierigkeiten von Menschen, die aus verschiedenen Gründen Benachteiligung in unserer Gesellschaft erfahren, bekannt. Es gehört zum Grundrepertoire sozialer Arbeit, sich für Chancengleichheit, Antidiskriminierung, Vielfalt und Gleichberechtigung in allen Belangen gesellschaftlichen Lebens aktiv einzusetzen.

 

Sollten sich die Vorwürfe gegen die Brebau bestätigen, wurde nicht nur das Fehlverhalten einzelner Mitarbeitender geduldet, sondern darüber hinaus diskriminierendes Vorgehen gegenüber einer Vielzahl von Menschen in den Strukturen verankert. Wohnen ist ein Menschenrecht, das ungeteilt allen Menschen zusteht.

 

Es wird berichtet, dass unterschiedliche Institutionen der Freien Wohlfahrtspflege als „schlechte Adressen“ benannt werden. „Dies ist eine ungeheuerliche Praxis. Jeder Mensch, der in einer besonderen Lebenssituation den Mut hat, Hilfe anzunehmen, darf nicht in unserer Gesellschaft stigmatisiert und diskriminiert werden“, sagt Arnold Knigge, Vorstandssprecher der LAG. „Hilfen zur Verfügung zu stellen, ist eine Errungenschaft in unserem Sozialstaat, die Menschen vom Rand mitten in die Gesellschaft holt und unsere demokratischen Strukturen stärkt“, ergänzt Iris von Engeln, Geschäftsführerin der LAG. Diskriminierendes und stigmatisierendes Verhalten müsse im Einzelfall benannt und abgelehnt werden. In den Strukturen eines Unternehmens wie einer Wohnungsbaugesellschaft, das eine soziale Verantwortung trägt, müssten die Menschenrechte unbedingt geachtet werden.

Bremer Wohlfahrtsverbände erwarten deutliche Schwerpunkte im Haushalt

 Nachdem der Senat die Eckwerte der Bremischen Haushalte 2022 und 2023 beschlossen hat, werden nunmehr die Ressorthaushalte aufgestellt, damit Deputationen, Senat und abschließend die Bürgerschaft darüber beschließen können. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Bremen (LAG FW) hat in einem Schreiben an die Senatorinnen für Soziales, Gesundheit und Kinder sowie an die zuständigen Deputationssprecherinnen deutliche sozial- und bildungspolitische Schwerpunkte in den Haushalten der nächsten zwei Jahre gefordert.

Der Vorstandssprecher der LAG FW, Arnold Knigge, und die Geschäftsführerin der LAG FW, Iris von Engeln, nennen in ihrem Schreiben vier Schwerpunkte. Ein wichtiger Punkt ist die Sicherung des Fachkräftebedarfs. In der Kindertagesbetreuung müssten die Haushalte dafür den Einstieg in eine höhere Vergütung für Erzieherinnen und Erzieher ebenso berücksichtigen wie die vergütete Ausbildung in der praxisintegrierten Ausbildung und das geplante Ausbildungsgeld in der Regelausbildung.

In der Pflege gehe es vorrangig darum, die Ausbildung zu Pflegefach- und Pflegehilfskräften deutlich zu steigern. Deshalb müssten die Ausbildungspauschalen und die Investitionsmittel für die Erweiterung der Ausbildungskapazitäten erhöht werden. Die praktische Pflegeausbildung müsste zudem neben der akademischen Pflegeausbildung zu einem Schwerpunkt des geplanten Gesundheitscampus an der Hochschule Bremen werden.

Als zweiten Schwerpunkt benennt die LAG FW die Sicherung und Weiterentwicklung der sozialen Infrastruktur in Stadtteilen und Quartieren. Dies gelte in besonderer Weise für die 17 Dienstleistungszentren, die seit 1975 wichtige Anlauf- und Beratungsstellen für alte, behinderte sowie chronisch kranke Menschen und ihre Angehörigen in der Stadt Bremen sind. Die städtischen Zuwendungen müssten so bemessen werden, führen Knigge und von Engeln aus, dass die Dienstleistungszentren ihre unverzichtbaren Aufgaben in ihren jeweiligen Stadtteilen und Quartieren verstärkt wahrnehmen könnten. Das Gleiche gelte für die stadtteilbezogene Kinder- und Jugendarbeit auf der Grundlage des sog. Anpassungskonzepts. Wichtige pädagogische Angebote müssten in den Jugendfreizeitheimen und anderen Jugendeinrichtungen weiter aufgegeben werden. Auch für die stadtzentralen Projekte der Kinder- und Jugendarbeit müsste das Budget für die nächsten Jahre fortgeschrieben werden.

Zu Ausbau und Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung weist die LAG FW in ihrem Schreiben darauf hin, dass für die kommenden Kindergartenjahre für Bremen und Bremerhaven von einem weiter steigenden Bedarf ausgegangen werden müsse. Es sei deshalb notwendig, für die Haushaltsjahre 2022 und 2023 die erforderlichen konsumtiven Mittel zur Finanzierung des laufenden Betriebs der Kindertagesbetreuungen und auch die notwendigen Investitionsmittel für den weiteren Ausbau der Einrichtungen bereit zu stellen. Daneben müsse die Qualität der Kindertagesbetreuung für die nächsten Jahre finanziell abgesichert werden. Dazu gehöre neben der Absicherung der bis Ende 2022 befristeten Bundesmittel aus dem Gute-Kita-Gesetz auch die Ausstattung von Kitas mit sozial- und heilpädagogischen Fachkräften und zusätzlichem Personal, das die Inklusion aller Kinder in der Kita sichere.

Schließlich verweist die LAG FW in ihrem Schreiben noch auf die notwendige Stärkung der Schulsozialarbeit. Die zusätzliche Betreuung in den Schulen habe sich nicht nur bewährt, sondern sich als dringend notwendig erwiesen. Weitere Stellen für die Schulsozialarbeit im Bremischen Haushalt müssten deshalb finanziell abgesichert werden.

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