Mängel in der Kindertagesbetreuung abstellen

Mangelnde Flexibilität bei den Kita-Angeboten, oft schlecht angepasste Öffnungszeiten, häufig am Bedarf vorbei geplant, unzureichende Versorgung sozial benachteiligter Bevölkerungsschichten, ein viel zu hoher Verwaltungsaufwand und noch Einiges mehr – die Liste der Mängel, die Wohlfahrtsverbände und Evangelische Kirche dem jetzigen System der Vergabe von Plätzen für die Kitas zuschreiben, ist lang und gravierend. So kann es nicht weitergehen, sagen diejenigen, die selbst maßgeblich Träger der Betreuungseinrichtungen sind. Ihre Schlussfolgerung: Es ist Zeit für einen Systemwechsel.

Die Hauptursache für diese Defizite sehen die Verbände und die Kirche übereinstimmend in der zentralistischen Vergabepraxis und den damit verbundenen aufwändigen und fehlerträchtigen Vorgängen in der Verwaltung. „In den vergangenen Jahren stand der Ausbau des Kita-Systems im Vordergrund, wir müssen jetzt mehr Gewicht auf eine optimierte Struktur und auf eine höhere Qualität des Angebots legen“, sagen Arnold Knigge, Vorstandssprecher des Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen e.V. (LAG), und Carsten Schlepper, Leiter es Landesverbands der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK). Das jetzige System sei nicht in der Lage, die wichtigen Ziele der Kindertagesbetreuung laut gesetzlichem Anspruch zu erfüllen und flächendeckend eine Versorgung in der notwendigen Qualität zu gewährleisten.

Statt alle wesentlichen Planungs- und Steuerungsprozesse bei den Verwaltungen zu bündeln, müsse den Trägern der Kitas mehr Eigenverantwortung, sprich Gestaltungsmöglichkeit, eingeräumt werden. „Die Träger kennen den jeweiligen Bedarf vor Ort am besten, dieses Wissen muss in die Schaffung eines passgenauen, wohnortnahen Angebots einfließen können“, fordern Schlepper und Knigge. Das bisherige zentralistische Vorgehen sei nicht nur viel zu aufwändig und daher zu teuer, es führe auch immer wieder zu schmerzlichen Lücken bei den Angeboten sowie zu teilweise fehlerhaftem Abgleich zwischen Angebot und Nachfrage.
„Wir müssen uns eingestehen, dass es auch nicht ausreicht, lediglich über mehr Flexibilität und Dezentralität nachzudenken. Es geht auch um eine Aufstockung des Angebots, also um mehr Plätze, und nicht zuletzt um eine höhere Qualität, besonders in der Grundversorgung sozial benachteiligter Stadtteile. Mit dem bestehenden System kommen wir aber in diesen zentralen Punkten nicht weiter.“

LAG und BEK haben vor diesem Hintergrund die Initiative ergriffen und im Rahmen einer Fachtagung, die kürzlich stattgefunden hat, mit Vertretern der Hamburger Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration sowie mit Vertretern dortiger Kita-Träger alternative Ansätze für die Planung und Steuerung der Kita-Versorgung diskutiert. Hamburg hat – wie andere Bundesländer auch – schon vor Jahren neue Wege beschritten und damit überwiegend positive Resultate erzielt. „Wir suchen nach Ansätzen, aus dem bisherigen Kita-Dilemma herauszukommen. Erfahrungen beispielsweise aus Hamburg, aber auch aus Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, bieten Anregungen für einen angepassten Bremer Weg zur Lösung der Probleme“, sagt LAG-Vorstandssprecher Knigge.

LAG und BEK sind aber auch davon überzeugt, dass sich das Thema „Kitas“ keineswegs dazu eignet, (partei-) politische Fronten aufzubauen. Wolle man das bestehende System zukunftsfähig machen, so könne dies nur durch einen fachlichen Dialog aller Beteiligten „auf Augenhöhe“ geschehen, der schließlich in einen breiten Konsens münden müsse.
„Wir wollen das Land bitten, mit uns gemeinsam eine Landesvertragskommission zu bilden, um die nächsten Schritte in der weiteren Ausformung eines neuen Systems zur Planung und Steuerung der Kita-Angebote festzulegen“, so Knigge. In diesen Abstimmungsprozess müssen nach LAG- und BEK-Ansicht auch die Elternschaft und die Kita-Träger einbezogen werden. Knigge: „Wir wollen jetzt die notwendigen Schritte einleiten, damit ein neues, besseres Kita-System in der kommenden Legislaturperiode Wirklichkeit werden kann“.

Der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen e.V. (LAG FW) gehören die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz, das Diakonische Werk, die Jüdische Gemeinde, der Paritätische sowie die Bremerhavener Volkshilfe an.