175 Jahre Kindertagesstätten in Bremen

Der Ausbau der Kindertagesbetreuung für unter dreijährige Kinder hat viele Eltern, die Politik und auch die Freie Wohlfahrtspflege in den vergangenen Monaten intensiv beschäftigt. Zahlreiche neue Plätze wurden geschaffen; weitere werden folgen, damit der neue Rechtsanspruch erfüllt werden kann. Wie die Kindertagesbetreuung in Bremen ihren Anfang nahm, war bisher weitgehend unbekannt. Mit einer heute vorgelegten Broschüre will die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege im Land Bremen (LAG FW) die Anfänge der Kindertagesbetreuung in Bremen aufzeigen.

Die Broschüre enthält eine Darstellung der historischen Wurzeln der Kindertagesstätten in Bremen von Jürgen Blandow, bekannt durch langjährige wissenschaftliche Tätigkeit als Professor an der Universität Bremen. Jürgen Blandow hat die Entstehungsgeschichte der Bremer Kindertagesstätten von den Anfängen bis zum Ende des 1.Weltkrieges untersucht und zusammengefasst. Seinem Text ist zu entnehmen, dass der erste Kindergarten vor genau 175 Jahren, am 8.Mai 1838, in einem Privathaus im Stephaniviertel in Bremen entstand. Die ersten Plätze waren für Kinder „armer Classen“ bestimmt und sollten den betroffenen Eltern die Chance geben, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Jürgen Blandow beschreibt auch, wie die erste Krippe in Bremen eröffnet wurde, die ersten Schüler- und Mädchenhorte in Bremen gebildet wurden, die ersten betrieblichen Angebote der Kindertagesbetreuung in der Bremer Jute Spinnerei und Weberei entstanden und wie erste Ansätze einer beruflichen Bildung für die Kindergartenarbeit entwickelt wurden.

Die Darstellung von Jürgen Blandow zeigt, wie „schleppend und mühsam“ der Beginn der Kindertagesbetreuung in Bremen – und sicher auch anderswo – war. Inzwischen hat die Kindertagesbetreuung in Bremen und in ganz Deutschland einen Stand und eine Qualität erreicht, die mit damaligen Verhältnissen nicht vergleichbar sind. Der Blick in die Geschichte bleibt trotzdem lohnend. Er kann und soll dazu ermutigen, dieses wichtige gesellschaftspolitische Thema unter den – im Vergleich zu den Anfängen der Kindertagesstätten unvergleichbar günstigeren – Bedingungen des 21.Jahrhunderts voranzubringen. Die Wohlfahrtsverbände in Bremen und Bremerhaven sind bereit, ihren Beitrag dazu weiterhin zu leisten.

Der LAG FW gehören als Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege im Land Bremen die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz, das Diakonische Werk und die Jüdische Gemeinde, der Paritätische sowie die Bremerhavener Volkshilfe an.